Buchvorstellung Corona Portraitfotografie

Don’t let me down – Buchvorstellung

Vor ein paar Tagen ist bei mir das Fotobuch „Don’t let me down“ des österreichischen Fotografen Günter Valda bei mir eingetroffen. Fotograf Valda kam die Idee den Gesichtern des Gesundheitspersonal in den Corona-Intensivstationen eine Stimme zu geben. So lies er sich von den Mitarbeitern auf den Stationen Selfies in Arbeitskleidung schicken. Zusätzlich sollten sie einen Text mit eigenen Gedanken zur aktuellen, persönlichen Situation verfassen.

Herausgekommen ist ein über 300 Seiten starkes Buch, welches neben ausdrucksstarken Gesichtern die Gedankenwelt dahinter eröffnet. Da ist zum Beispiel die Intensivpflegerin, welche beschreibt, wie sie nach 13 jahren im Beruf in den Burnout geschlittert ist. Sie ist in der Folge komplett zusammengebrochen. Wusste zeitweise nicht was sie ihrem Kind zum Essen kochen sollte. Welche Hose sie tragen möchte. Eine Entwicklung, welche sie von sich niemals erwartet hätte.

Ausdrucksstarke Gesichter

Oder der Klinikseelsorger, welcher nicht als systemrelevanter Teil der Belegschaft eingestuft wurde. Anfangs geschockt, keinen Zugang zur Klinik und den Patienten mehr zu bekommen Den Menschen dort in einer sehr schweren Zeit Halt und Anleitung geben zu können. Später, als er wieder Zugang zu der Klinik und den Stationen bekam. Eine geänderte, anstrengendere Atmosphäre. Gleichzeitig eine stärkere Betroffenheit des behandelnden Personals der Patienten gegenüber. Die Gespräche Impfung ja / nein – die Sorgen für die Zukunft „nach“ Corona.

Da wäre der anonyme Bericht einer Pflegeperson. Während eines Nachtdienstes auf der Notaufnahme wird ein stark alkoholisierter Mann gebracht. Nachdem er ausgenüchtert hat, beleidigt er das Personal und wird schwer handgreiflich. Das eigentlich schockierende an der Geschichte ist, dass dies kein Einzelfall ist. Die Pflegeperson hat den Eindruck, dass dies je länger die Pandemie andauert, deso schlimmer – ja alltäglicher werden solche Vorfälle.

Dazu immer die Selbstportraits der Pflegekräfte, teils mit persönlichen Anmerkungen direkt auf dem Bild. Personen und Gesichter, welche vom langen tragen der Schutzausrüstung und den Anstrengungen bei der Arbeit gezeichnet sind. Mit Abdrücken im Gesicht, Hautauschlägen, müden Augen. Schweißdurchdrängte Arbeitskleidung, verschiedenste Gesichtsmasken oder einfach nur zusammen als Team im Bild.

Kommentare zum Nachdenken

Fotograf Valda selbst hat einen langjährigen Background als ausgebildeter Kra nkenpfleger in einer der größten Notaufnahmen Österreichs. Er nutzt die Kunst als Ventil um das gesehene und erlebte zu Verarbeiten. Er stellt den Menschen und dessen Empfindungen ins Zentrum seines Buches. Dabei bleibt er sachlich und verliert nicht den Bick fürs dokumentarische.

Für mich selbst ist das Buch eine super Ergänzung zu meinem Besuch auf der Corona-Intensivstation im Winter 2021. Ich hatte schon damals überlegt, wie man die Mitarbeiter vor Ort dem Betrachter der Bilder greifbarer, persönlicher präsentieren kann. Da der Fokus meiner Fotoreportage etwas anders lag, bin ich in das Thema nicht tiefer eingestiegen. Mein Ergebnis wäre am Ende wohl ähnlich dem von Günter Valda und seinem Projekt „Don’t let me down“ gewesen.

Wer nun selbst Interesse an dem Buch hat:

  • Titel: Don’t let me down
  • Autor: Günter Valda
  • Verlag: Kettler
  • ISBN: 978-3-86206-972-9
Disclaimer: Das Buch habe ich selbst via Kickstart finanziert.

Hi, ich bin Tobias, People- und Hochzeitsfotograf aus Burladingen. Ich schreibe hier auf meinem Blog rund um die Fotografie, die Fotografie auf der Schwäbischen Alb und was es sonst noch so schönes rund um das Thema Fotos zu erzählen gibt. Hast du Fragen an mich, einfach in die Kommentare damit. ich antworte dir zeitnah.

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